Teures Gemüse – darum steigen die Preise nach Dürreperioden wirklich!

Der Sommer 2018 wird lange in Erinnerung bleiben. Die meisten genossen die Sonne und freuten sich über jeden weiteren Tag, an dem das Thermometer über 25° C schoss. In den Küstengebieten, aber auch an jedem noch so kleinen See, nutzte man täglich die Chance, sich im Wasser abzukühlen. In Stadtparks wurde gegrillt und auch zur Nachtzeit noch bei knapp 20° C im Freien entspannt. Es gab aber auch einige, die der langen Trockenperiode und der Hitze nicht nur positiv entgegensahen.

Für Landwirte, Flora und Fauna war dieser Sommer eine Herausforderung, die sie derart lange nicht mehr bewältigen mussten. Über Monate gab es keinen Regen. Äcker trockneten aus, Pflanzen konnten kaum wachsen oder vertrockneten schnell. Die Erde wurde härter und spröder. Vielerorts herrschte trotz künstlicher Beregnung ein hoher Wassermangel. Es war der trockenste und heißeste Sommer seit 1881. Während Landwirte also um ihre Ernte fürchteten, ärgerten sich wieder andere darüber, dass die Preise für Obst und Gemüse gerade zur Grillsaison rapide und plötzlich in die Höhe schossen.

Die wenigsten wissen aber, dass dies kein Streich des Marktes war. Die Dürre 2018 hatte großen Einfluss auf die Preise der im Freiland angebauten Obst- und Gemüsesorten. Doch worin besteht nun der Zusammenhang zwischen einem heißen, langen Sommer und den Lebensmittelpreisen? 

Der Zusammenhang zwischen Lebensmittelpreisen und Dürreperioden

Während 2017 ein nasskalter Winter in Südeuropa für Preisschwankungen in der Gemüse- und Obstabteilung verantwortlich war, rühren die hohen Preise im Sommer 2018 einer langen und extremen Dürreperiode. Monatelang warteten Landwirte auf Niederschläge, die die Felder natürlich beregnen, Keimlinge sprießen und Pflanzen, Früchte und Gemüse wachsen lassen sollten. Doch der Regen blieb aus. Ein heißer Tag folgte dem nächsten und so wurden Äcker trocken und spröde. Die Bodenqualität nahm ab und damit auch der Ertrag der Ernte. Einige Landwirte bekamen letztlich aufgrund der Dürre existentielle Probleme und bangten um die Zukunft ihres Hofes. Vielerorts fielen die Ernten klein aus, wodurch die Preise stark angehoben werden mussten.

Laut der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) gab es dadurch im Sommer durchschnittlich eine Erhöhung des Preises um 10 % bei Obst, bei Gemüse rund 3 %. Was auf den ersten Blick nicht viel klingen mag, zeigt sich dennoch deutlich in einigen Extremfällen. So zahlt ein Kunde derzeit knapp bis zu 30 % mehr für Kartoffeln und 17 % mehr für Zwiebeln. Am deutlichsten fielen die Preisschwankungen allerdings bei der Gurke auf. Während im Vorjahr knapp 49 Cent pro Gurke ausgegeben wurde, kostet sie derzeit fast dreimal so viel. Der Preis liegt kontinuierlich bei über einem Euro, dies entspricht eine Preissteigerung von bis zu 130 %. Gurken sind in ihrem Wachstum sensibel. Sie benötigen konstante Temperaturen und vor allem durchgehend feuchten, lockeren Boden. Hitze erzeugt Stress für die Pflanze, sodass ihre Energie in der Zeit der Regeneration und nicht dem Wachstum dient. Die Erträge werden dadurch kleiner oder verkümmern letztlich. Ähnlich verhält es sich bei Kartoffeln. Die geringe Ernte ist die Folge von Wassermangel und Hitzestress. Die Knollen fielen kleiner aus, setzten zu viel Stärke an und wurden teilweise mehliger. Der Preis musste trotz Qualitätsverluste angehoben werden und auch verarbeitete Kartoffelprodukte wurden teurer. 

Teures Gemüse – darum steigen die Preise nach Dürreperioden wirklich!

Nicht nur Gemüse und Obst sind betroffen – Landwirte fordern höhere Milchpreise

Während Landwirte im Obst- und Gemüseanbau im Freiland unter hohen Temperaturen und Trockenheit litten, hatten auch Landwirte mit dem Fokus auf Milchprodukte, aber auch solche, die ähnliche Tierhaltung betreiben, mit der Dürre zu kämpfen. Die diesjährige Maisernte in Deutschland fiel ebenso schlecht aus. Das Wachstum der Bestände wurde von der langen Trockenheit erschwert, Blätter rollten sich gegen den Hitzestress ein, der Kolbenansatz vieler Früchte wurde dadurch zu klein oder konnte wegen fehlender Befruchtung gar nicht erst entstehen. In weiten Teilen des Landes wurden Ernteverluste und damit Futterknappheit gemeldet. Wie ein roter Faden zog sich die Trockenheit über landwirtschaftliche Flächen und auch über viele unterschiedliche Höfe. Weiden trockneten aus, Gras wuchs nach der ersten Mahd kaum nach. Die Futtermittel für Kühe und andere Tiere wurden knapp. Landwirte waren teilweise gezwungen teures Futter zuzukaufen und kamen dadurch in finanzielle Engpässe. Zudem wurden Flächen, auf denen normalerweise extensive Beweidung betrieben wurde, genutzt, um Zwischenfrüchte als Futter für die Tiere anzubauen. Insgesamt erhöhten sich die Kosten für die Landwirte in diesem Sommer, während die Einnahmen durch die Ernteverluste zu gering ausfielen.  

Ein heißer und langer Sommer in Regionen, in denen diese Monate normalerweise kürzer und weniger extrem ausfallen, bedeutet also nicht nur lachende Gesichter am Strand und vergnügte Grillgesellschaften in Parks. Die Folgen solcher Wetterereignisse, die über mehrere Monate anhalten, sind weitläufiger als sie sich ein verärgerter Kunde an der Supermarktkasse denken kann. Preisschwankungen rühren und rührten schon immer auch der Veränderung des Wetters in den Anbauregionen. Wenn der Preis einer Gurke plötzlich steigt, bedeutet das in den meisten Fällen nicht, dass der Markt die Preise generell anheben möchte. Herrschen gleichzeitig extreme Wetterverhältnisse, sind die Ernten vermutlich schlecht ausgefallen. Landwirte müssen ihre Erzeugnisse in diesem Fall teurer verkaufen, um ihre Existenz zu sichern. Mit dem Hintergrund dieses Wissens können wir versuchen, die nächste Gurke mit mehr Verständnis für die Landwirte auch für über einen Euro zu kaufen. Auch bei Milchprodukten lohnt es sich einige Cents mehr auszugeben, um den Preisdruck innerhalb der Landwirtschaft und damit den Qualitätsverlust der Erzeugnisse nicht zu unterstützen.