Erntedank. Eine Tradition zum Dank an die Natur.

Wer kennt sie nicht, die herbstlich dekorierten Körbe – meist vor Kirchen, oder die zu Figuren getürmten Strohballen auf Feldern und Höfen. Farben wie Orange, Gelb und Braun stechen hervor und stimmen uns auf den Herbst ein. Fast jeder hat eine Vorstellung von dem Begriff „Erntedank“. Aber was für eine Tradition steckt wirklich dahinter und warum ist es nicht allein ein Dank an Gott, sondern vielmehr ein Dank an die Natur? Warum wir kein Lebensmittel als selbstverständlich betrachten sollten, erfährst Du in diesem kleinen Beitrag.

Eine der ältesten Traditionen der Menschheit.

Am 7. Oktober ist es soweit: viele Kirchen und Gemeinden feiern auf unterschiedlichste Weise Erntedank. Allerdings ist dieses Fest keineswegs rein religiöser Natur. Tatsächlich gehört Erntedank zu einem der ältesten Feste der Menschheit. Schon zu vorchristlicher Zeit haben die Menschen nach der Ernte an ihre Abhängigkeit von der Natur erinnert, die Ernte gefeiert und Dankesopfer dargebracht. Diese Opfergaben führten zu den liebevoll dekorierten Körben und prägten das Bild des Festes nachhaltig. Da dieser Dank weltweit gefeiert wird und Erntezeiten klimabedingt variieren, gibt es keinen einheitlichen Termin. In Deutschland hat sich, obwohl nicht verbindlich für alle Gemeinden ausgesprochen, der erste Sonntag im Oktober etabliert. Dieser Termin ist hauptsächlich aus christlichen Daten entstanden.

Erntedank. Eine Tradition zum Dank an die Natur.

Erntedank und die Religion.


Nach der Reformation wurde das Erntedankfest an verschiedenen Daten gefeiert. Manche evangelische Kirchenordnungen verbanden den Dank für die Ernte mit Michaelis, andere legten ihn auf den Bartholomäustag. Zu guter Letzt bürgerte sich der erste Sonntag nach Michaelis ein. Auch die katholische Kirche legte 1972 den ersten Sonntag im Oktober fest. Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist das Erntedankfest jedoch nicht. Gemeinden sind demnach nicht verpflichtet, das Fest zu feiern. Dennoch, wenn auch mit variierendem Termin, etablierte sich das Fest in den Kirchen und ist oft fester Bestandteil der herbstlichen Gottesdienste.


Auf einem festlich geschmückten Altar prangen dann Getreide, Gemüse und Obst. Vielerorts werden außerdem typische Erntekronen aus Getreide aufgehängt oder in einer Prozession durch das Gemeindegebiet getragen. Mit dieser Feier dankt die Gemeinde Gott für seinen Segen und dass er die Gaben hat gedeihen lassen. Außerdem erinnern sie daran, dass es nicht allein in Menschenhand liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. Nach dem Gottesdienst werden die Erntegaben üblicherweise an Bedürftige oder karitative Einrichtungen verteilt.

Erntedank. Eine Tradition zum Dank an die Natur.

Tradition über das Christentum hinaus.


Auch andere Religionen und Kulturen danken der Natur für die Ernte. Schon die Römer feierten die Gaben der Natur und sogar die alten Griechen und Ägypter bedankten sich bei ihren Fruchtbarkeitsgöttern mit Opfergaben für ihre Ernte. Im August feierten die Kelten das Kornfest und die Germanen feierten sogar drei Tage lang, indem sie ihren Göttern für die reiche Ausbeute dankten. So ließen sie dem Pferd Sleipnir, Pferd des Hauptgottes Odin, einen Büschel Korn auf dem Feld zurück und flochten aus dem letzten Kornschnitt einen Kranz. Im Judentum wird Erntedank sogar zweimal im Jahr gefeiert. Im Frühjahr, ähnlich dem Pfingstfest, und im Herbst. Dann begehen sie sieben Tage lang das Laubhüttenfest, bei dem eine mit Erntefrüchten geschmückte Hütte gebaut wird.


In Deutschland wird Erntedank neben dem Gottesdienst oft mit Tanz, Gesang und einem Festessen gefeiert. In manchen Regionen werden sogenannte Erntepuppen aus Getreidehalmen gebastelt, um den Geist des Getreides zu ehren. Der Umgang mit den Puppen ist dabei unterschiedlich: teilweise werden sie später auf dem Feld verbrannt. In anderen Ecken Deutschlands werden Puppen aus riesigen Strohballen an Ortseingängen aufgebaut. In Bergregionen ist es zu Zeiten des Erntedanks üblich, den so genannten Almabtrieb auszurichten. Mit Blumen, Bändern und Glocken werden die Kühe und Schafe wieder in die Dörfer hinabgetrieben und sollen mit lauten Glocken die bösen Geister vertreiben.


Trotz all den Unterschieden in Zeitpunkt und Umsetzung des Festes, haben dennoch alle Völker das Wichtigste gemein: das Bewusstsein, die Ausbeute der Ernte nicht als selbstverständlich zu nehmen und sich gemeinsam darauf zu besinnen, dass wir bis heute und seit jeher in einem engen Austausch mit der Natur stehen und umso mehr Grund haben, auf unsere Erde achtzugeben.