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29.01.2021
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Vom Acker direkt auf den Teller: Lebensmittelvermarktung mit der PIELERS-Plattform

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Nein, damit ist kein schwacher Trost für die eingeschränkten Reisemöglichkeiten in Zeiten von Corona gemeint. Vielmehr steht es für die Grundidee von PIELERS und dessen Gründerin Dr. Julia Köhn: Lebensmittel direkt vom Erzeuger an Verbraucher zu vertreiben. Ohne Umwege, ohne Zwischenhändler, ohne endlos lange Lieferketten. Alles online und digital. Wie genau Julia auf die Idee kam und warum sie in Sachen Gründung kein unbeschriebenes Blatt ist, hat sie uns erzählt.


„Mich hat schon immer die antiquierte Art und Weise gestört, wie der Lebensmittelhandel praktiziert wird“, erzählt Dr. Julia Köhn, die 35-jährige Gründerin von PIELERS. „Statt vor der Haustür zu produzieren, was ohne Weiteres möglich wäre, werden Lebensmittel importiert. Sie legen einen weiten Weg über diverse Zwischenhändler zurück, bevor sie zu Hause auf den Tellern landen. Die Lieferketten werden so für die Verbraucher undurchsichtig. Das benachteiligt nicht nur kleine und mittelständische Landwirtschaftsunternehmen, es ist auch alles andere als nachhaltig.“

Eine Idee mit guten Voraussetzungen

Das konnte und wollte Julia so nicht weiter hinnehmen – sie wollte den Lebensmittelhandel verändern. Eine digitale Plattform schaffen, auf der Erzeuger ihre Produkte eigenständig präsentieren und direkt an Endkunden und -kundinnen vertreiben. Und vor allem: Sie sollten ihre Preise selbst festlegen können. Die Voraussetzungen, um genau das zu schaffen, waren gut. Als studierte Betriebs- und Volkswirtschaftlerin kennt Julia sich schließlich aus. Ihre Promotion zum Thema „Unsicherheit in der ökonomischen Theorie“ schloss sie summa cum laude ab. Schon in der Vergangenheit gründete sie mehrfach und arbeitete als Strategie- und Restrukturierungsberaterin. Ein eigenes neues Business war für Julia somit nichts Neues.

Gleiches gilt für den Startup-Standort Geestland: „Ich wohne schon sehr lange in Niedersachsen und weiß, wie hier der Hase läuft – im wahrsten Sinne des Wortes“, scherzt sie. „Die Landwirtschaft hat nicht nur ums Geestland herum einen enorm hohen Stellenwert. Und genau diese Branche wollen wir ja mit unserem Geschäftsmodell erreichen. Warum sich also großartig mit Standortanalysen herumplagen, wenn wir direkt vor der Haustür gebraucht werden?“

Ein großer Erfahrungsschatz, Standortvorteile – scheint, als ob die Gründung von PIELERS ein Selbstläufer war. Doch das unterschreibt Julia so nicht ganz. „Wir hatten das große Glück, dass wir bereits früh auf starke Partner bauen konnten. Zum Beispiel haben wir mit Bitkom, dem Agrar-Netzwerk F3 und anderen Experten aus den Bereichen Startup-Business oder Lebensmittelwirtschaft kooperiert.“ So gab das PIELERS-Team den Zielgruppen von Bitkom und F3 beispielsweise Fachvorträge mit Einblicken in innovative Geschäftsfelder und bekam im Gegenzug den Zugriff auf zielgruppenrelevantes Publikum. „Diese Kontakte – auch zu Investoren – haben wir schlichtweg gebraucht für unsere ersten Schritte.“

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Freiheit und Eigenständigkeit – nicht nur für Erzeuger aus Niedersachsen

2017 war es schließlich so weit: PIELERS ging online. Seitdem kümmert sich das Startup neben der Bereitstellung der Infrastruktur für die Erzeuger auch um die Rechnungsstellung und das Mahnwesen. Eine monatliche Gebühr müssen diese dafür nicht bezahlen. „Wir arbeiten auf Provisionsbasis. Das heißt, unsere Erzeuger zahlen nur, wenn sie auch tatsächlich über unsere Plattform verkaufen. 85 Prozent der Erlöse gehen dann direkt an sie“, erzählt Julia.

PIELERS` Kunden und Kundinnen kommen dabei längst nicht mehr nur aus Niedersachsen. Für die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein hat Julias Team jüngst eigene Plattformen entwickelt, auf der sich die heimischen Landwirte und Landwirtinnen vermarkten können. Und auch mit weiteren ambitionierten Menschen aus ganz Deutschland, die ihre Regionen und Produkte online darstellen möchten, ist das Team im Gespräch. „Wir realisieren nicht nur unsere eigenen Ideen, sondern unterstützen unsere Partner auch bei der Umsetzung ihrer persönlichen Vorhaben mit unserer Technik und unserem Know-how“, erklärt Julia.

Know-how, das durchaus vielfältig ist. Denn ihr Team, das sich aus Literaturwissenschaftler*innen, Immobilienexpert*innen und Programmierer*innen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammensetzt, lebt die Sharing-Mentalität.Feste Rollen oder starre Hierarchien gibt es nicht. Stattdessen teilen die Kollegen und Kolleginnen ihr Wissen, arbeiten häufig projektübergreifend. Ein Großteil der Arbeit erfolgt remote und die Kommunikation untereinander läuft digital – Stichwort New Work, wie Julia erklärt. Wohin das Team auf diesem neuen Weg noch gemeinsam gehen will? „Im besten Fall durch ganz Europa“, sagt sie. Für die nächsten zwei Jahre hat sich das Team nämlich vorgenommen, das Partnernetzwerk noch weiter auszubauen, sodass Menschen quer über den Kontinent mit der technischen und beratenden Unterstützung von PIELERS ihre Projekte umsetzen können.

Was Gründende brauchen? Motivation, Ausdauer, Flexibilität!

Doch das geht laut Julia nicht ohne genügend Motivation, Ausdauer und Flexibilität. Eigenschaften, die sie anderen Gründern und Gründerinnen wärmstens ans Herz legt: „Du musst dein Ziel immer fest vor Augen haben, damit du erfolgreich bist. Denn das Ziel gibt dir auf deinem Weg die nötige Motivation, über dich hinauszuwachsen. Aber es wird natürlich nicht immer alles so laufen wie geplant. Dann heißt es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern mit Ausdauer eine Lösung zu erarbeiten, mit der du den Rückschlag gestärkt überwindest. Das erfordert eine Menge Flexibilität – schließlich gibt es nicht immer nur den einen Weg zum Ziel. Nicht selten muss man zwischendurch umstrukturieren.“

Keine einfache Aufgabe, doch wie in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, würde Julia den Schritt der Gründung immer wieder gehen. Für nachhaltige, faire und transparente Lebensmittel vom Acker bis zur Gabel. Und vor allem für ihre Überzeugung.

Siegeszug

Auf das Konto von PIELERS gehen übrigens schon zahlreiche Auszeichnungen:

  • Digitalisierungspreis We Do Digital
  • DurchSTARTER-Preis 2019
  • Platz in der Kategorie „Consumer Apps & Services“ der FoodTech 500-Liste, weltweit
  • Top 10 Gründerinnen in FoodTech, weltweit
  • Winner 2020 Agro Future Challenge Germany
  • EIT Food Rising Food Star 2020


Startup NDS

Wenn Euch das Interview gefallen hat, dann schaut doch mal auf der Homepage von Startup Niedersachsen vorbei und entdeckt viele spannende Themen, welche die Gründerszene beschäftigen.

Den Original Beitrag zu diesem Interview findet Ihr hier.

von Simon Schäfer
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