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09.12.2019
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Gebt den Landwirten die Würde zurück!

Es zieht sich eine Kluft durch Deutschland. Unsichtbar und zumeist unaufdringlich. Und doch ist sie allgegenwärtig. Die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen den Generationen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein schwelender Krieg der Welten. Mit den Bauernprotesten und der Fridays-for-Future Bewegung stehen sich zwei Gruppen gegenüber, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten. Im Kern wollen sie doch beide das Gleiche.

Der Status Quo – Klimawandel in aller Munde

2019 war das Jahr der Klimakatastrophen, das Jahr des Umdenkens, des globalen Alarmschlagens. Tief in uns wussten wir alle schon lange, dass die Art, wie wir unsere Erde (aus-)nutzen so nicht mehr weitergehen kann. Wir haben unseren Planeten an den Rand des Abgrundes geführt und lange Zeit unsere Augen davor verschlossen. Mutige Aktivisten auf der ganzen Welt haben uns wachgerüttelt und machen vermehrt Druck auf die Politik, um ein schnelles Handeln voran zu treiben.

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Die Gewinner und Verlierer der Klimakrise

Die Klimaaktivisten haben einen Stein ins Rollen gebracht, der kaum noch aufzuhalten ist. Ihre Nachhaltigkeitsforderungen bringen ganze Branchen ins Wanken. Die Automobilindustrie sucht händeringend nach alternativen Antriebsmitteln, der Energiesektor steht Kopf. Überall wird der Ruf nach echten Innovationen und umweltverträglichen Konsumgütern lauter. Auch die Landwirtschaft ist angehalten, sich zu verändern. Landwirte zählen medial zu den Meistgeächteten. Sie sind Luftverpester, Umweltverschmutzer, Tierquäler. Ihnen wird durch die Medien allzu oft in diesen Tagen die Verantwortung für ein verkorkstes Lebensmittelwertschöpfungssystem übertragen, in dem sie selbst Opfer der durch Politik und Industrie geschaffenen Umstände sind.

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Zwischen Wunschtraum und Wirklichkeit

Was macht einen guten Landwirtschaftsbetrieb aus? Die einhellige Meinung stellt Tierwohl und Umweltschutz dabei ganz nach oben. Verbraucher eint die Vorstellung der Bauernhofromantik. Viele denken an Familienbetriebe mit 30 Kühen, 50 Hühnern und ein paar Ackerflächen. Diese „heile Welt“ gibt es schon lange nicht mehr. Bauernhöfe wurden zu hochprofessionalisierten Agrarunternehmen umstrukturiert oder sie mussten bereits aufgeben, weil sie dem Preisdruck des Einzelhandels nichts entgegen zu setzen hatten. Während die Politik den Landwirten immer höhere Auflagen in Form von Düngeverordnungen und Insektenschutzprogrammen auferlegt, streichen die verarbeitende Industrie und der Einzelhandel satte Gewinne ein. Für die Bauern heißt es seit langem: „Wachsen oder weichen.“ Währenddessen steigt die Wut der verbliebenen Kleinbetriebe ob dieser Machtlosigkeit ins Unermessliche.

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Der Bezug zum Lebensmittel und zur Landwirtschaft ist verloren gegangen

In dieser Wohlstandsgesellschaft, in der jederzeit alles verfügbar ist, ging uns der Bezug zum Lebensmittel verloren. Wir haben Fleisch zu anonymer Nahrung werden lassen, die aus der Natur oder aus dem Labor stammen kann, wir merken kaum einen Unterschied. Viele verarbeitete Produkte sind so durchdesignt und technologisch optimiert worden, dass wir vergessen haben, was echte Lebensmittel ausmacht. Frische Lebensmittel in ihrer natürlichen Form können weder ewig haltbar noch in ihrer Größe, Konsistenz und ihrem Geschmack immer gleich sein. Mit der zunehmenden Beliebigkeit der Lebensmittel sank auch die Wertschätzung für diejenigen, die hart für unser täglich Brot und die Gaben auf unseren Tellern arbeiten. Sie wurden als graue Masse der Produzenten ausgemacht, die aus wirtschaftlichen Interessen unsere Umwelt zerstören, um sich die eigenen Taschen voll zu machen.

Statement eines Landwirts

„Ich mache doch nicht mit Absicht meine Lebensgrundlage kaputt. Wenn ich meine Tiere schlecht behandle, produzieren sie weniger Fleisch und Milch. Wenn ich meine Böden verseuche, erhalte ich weniger Ernteertrag. Mir als Bauer ist es von Natur aus wichtig, meine Umwelt zu erhalten!“

Landwirte bewirten das Land

Die Bauern sind nicht das Problem, es ist die globale Lebensmittelindustrie, die uns eine Welt der immer verfügbaren, konformen, hübschen, gesunden und billigen Lebensmittel vorgaukelt. Mittlerweile geben Deutsche nur noch rund 10% ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aus, um das Jahr 1950 waren es rund 40%. Da bleibt bei den Landwirten nicht mehr viel übrig, um nachhaltig zu wirtschaften.

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Agrarwende durch Lastentransparenz

Die Fridays-for-Future Bewegung und die Landwirte eint die gleiche Existenzangst. Beide Gruppen wollen eine lebenswerte Zukunft für sich und die nächsten Generationen sichern. Mit Blick auf diese Einigkeit fällt es leichter, sich an einen Tisch zu setzen und den Status Quo gemeinsam in Frage zu stellen. Denn nur gemeinsam kann ein Wandel gelingen. Dabei ist es auch wichtig, die erregten Gemüter wieder auf eine objektive Basis zu einigen. In der Lebensmittelwertschöpfungskette steckt der Wurm. Wenn man die Beanspruchung der Natur berücksichtigt, müssen Lebensmittel anders bepreist werden, als es heute der Fall ist. Subventionen für fossile Brennstoffe, exzessiven Düngergebrauch und für Wasser in trockenen Regionen müssen gestrichen werden. Weltweit müssen wir uns auf traditionelle, nachhaltigere Produktionsmethoden zurückbesinnen. Dabei gilt es zusammen zu arbeiten und nicht in Konkurrenz zu denken.

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Das digitale Sprachrohr für die Landwirtschaft

Wir bei PIELERS sind ein junges Team von Digital Natives, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eine Brücke zwischen Landwirten und Verbrauchern zu bauen. Durch ihren eigenen Auftritt in der digitalen Welt können Bauern einen direkten Draht zu ihren Kunden pflegen und zeigen, was ihre Produkte einzigartig macht. Wir helfen ihnen, im digitalen Dschungel sichtbar zu werden und gerechte Preise für nachhaltige Lebensmittel zu erzielen. Mit Hilfe von Blogartikeln wie diesem klären wir Verbraucher über Missstände auf und regen zum Umdenken an. Schön, dass Du hier bist!

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Dieser Artikel soll nicht - wie so viele Leitmedienartikel im vergangenen Jahr – mit dem erhobenen Zeigefinger auf JENE und WELCHE zeigen. Er soll zum Überdenken der eigenen Meinung inspirieren und für gegenseitiges Verständnis werben. Braucht es einen solchen Artikel in der gemeinhin aufgeklärten, verständnisvollen und toleranten Gesellschaft, in der wir leben? Ich denke ja, heute mehr denn je! Du hast Gedanken, Anregungen und Feedback zu dem Thema? Schreib mir gern an lea@pielers.de

von Lea Zerbst
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