Kostenlose Lieferung Frische-Garantie Sicher gekühlt Sendungsverfolgung
01.08.2019
HHH_9913.jpg
Direktvermarktung – Die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft

Im Interview mit dem Landwirt Dennis Wolff-von der Lieth klären wir auf, was „Direktvermarktung“ genau bedeutet und warum sie kleinbäuerlichen Betrieben eine neue Freiheit bietet. Er erklärt uns, warum seine Produkte einen höheren Preis haben, als man sie im Einzelhandel gewohnt ist.

Dennis, Du bewirtschaftest einen Bauernhof in Niedersachsen und vermarktest Deine Produkte seit einigen Jahren direkt. Was bedeutet das genau?

Ich verkaufe meine Lebensmittel wie Eier, Enten, Gänse und Freilandschweinefleisch direkt an Privatmenschen ohne Zwischenhändler. Das mache ich hauptsächlich direkt auf meinem Hof und über PIELERS. So kann ich die Preise meiner Waren selbst bestimmen und so ansetzen, dass es mir möglich wird, meine Tiere so zu halten wie ich und der Verbraucher es sich wünschen. Als Direktvermarkter muss ich aber auch Aufgaben übernehmen, die mir der Handel sonst abnehmen würde wie zum Beispiel die Kundenakquise und die Vermarktung meiner Produkte.

Warum verkaufst Du Deine Produkte nicht hauptsächlich an den Einzelhandel, wie die meisten anderen Landwirte?

Es ist für mich sehr schwierig, als Kleinerzeuger im Lebensmitteleinzelhandel gelistet zu werden, weil mein Grundpreis pro Ei bereits sehr hoch ist und die Einzelhändler oft Höchstpreise für die Listung vereinbaren. Im Schnitt schlägt der Lebensmitteleinzelhandel 30% auf den Grundpreis auf. Dann sind Verbraucher oft nicht mehr bereit, diesen Preis für meine Bio-Eier zu zahlen.

HHH_9982.jpg

Wie setzt sich denn der Preis für Deine Bio-Eier zusammen?

Der größte Kostenfaktor ist immer das Futter. Die Hühner bekommen Zukauffutter und im Bio-Bereich ist das rund 3x teurer als in der konventionellen Landwirtschaft. Der höhere Preis ergibt sich daraus, dass das Getreide auf Bio-Flächen angebaut wurde. Auf diesen Flächen durften weder Pflanzenschutzmittel noch künstliche Düngemittel eingesetzt werden, daher sinkt der Ertrag auf den Anbauflächen ungefähr auf ¼ im Gegensatz zu Nicht-Bio-Flächen. Dadurch steigt der Futterpreis.

Wenn ich meine Hennen alle selbst ausbrüten würde, würde der Preis noch höher sein, da ich dann auch die Bruderhähne der Legehennen aufziehen würde. Daher haben wir uns dafür entschieden, Junghennen von Zuchtbetrieben im Alter von 18 Wochen zuzukaufen. Die Bio-Henne ist ungefähr doppelt so teuer im Einkauf wie eine konventionell aufgezogene Henne, weil sie in der Aufzucht rund 1/3 mehr Stallfläche plus Freilauffläche zur Verfügung hatte.

Wir halten die Tiere hauptsächlich draußen im Freiland. In vielen konventionellen Legebetrieben wird der Tagesrhythmus durch Veränderung des Lichteinfalls beeinflusst, wodurch die Legeleistung verbessert wird. Unsere Freilandhennen behalten den natürlichen Rhythmus im Einklang mit den Jahreszeiten. Im Jahresschnitt legt eine meiner Bio -Hennen rund 80 Eier weniger, als eine konventionell gehaltene Henne. Um die gleiche Eieranzahl zu produzieren, muss ich also mehr Hühner halten oder den Preis anpassen.

HHH_9432.jpg

Warum hältst Du denn nicht einfach mehr Bio-Hühner?

Grundsätzlich lohnt es sich für einen Landwirt, mehr Tiere zu halten, weil sich die Preise für höhere Abnahmemengen bei Futtermitteln vergünstigen und die allgemeinen Betriebskosten pro Tier gerechnet verringern. Unsere Hühner leben in Kleingruppen in Mobilställen auf der Wiese. Das Umsetzen der Mobilställe und das Füttern der Tiere sind bei uns 100% Handarbeit. Wir könnten mehr Tiere halten, müssten dafür aber mehr Mitarbeiter einstellen, um die Tiere weiterhin in solchen Kleingruppen halten zu können. Einfach die Menge der Tiere zu erhöhen würde eine Verschlechterung ihrer Haltung bedeuten und das wollen wir nicht.

Gibt es noch etwas, das Deine Eier indirekt teurer macht?

Wer kommt heute noch aufs Land und holt sich dort seine Eier beim Hof ab? Das sind oft nur die direkten Nachbarn. Bei uns ist Eier kaufen wie ein Event. Kinder können sehen, wie die Tiere gehalten werden und bekommen einen Bezug zur Landwirtschaft. Wir machen oft Hofbesichtigungen mit unseren Kunden und beschreiben ihnen, wie die Eier produziert und die Tiere gehalten werden. Dieser Aufwand, den wir von Herzen gerne machen, kostet aber auch Zeit. Diese schlägt sich ebenfalls indirekt auf den Preis wieder.

HHH_0019.jpg

Warum ist es wichtig, Kleinerzeuger wie Dich zu unterstützen, anstatt auf Massenware zurück zu greifen?

Kleinerzeuger setzen auch oft alte, robustere Tierrassen ein. Das stärkt die Vielfalt der Tierarten und gibt uns die Möglichkeit, die Tiere ursprünglicher und naturnaher zu halten. Alte Rassen sind zwar widerstandsfähiger, das wirkt sich aber auch auf die Lege- oder Mastleistung aus. Bei der Fleischproduktion brauche ich ungefähr 4x so lange, wie ein Großbetrieb, um die Tiere schlachtreif zu bekommen. Vorteil ist aber auch, dass ich eine gewisse Garantie geben kann, dass das Fleisch nicht wässrig schmeckt oder sich in der Pfanne um die Hälfte zusammenzieht. Eine super Qualität zeichnet sich sowohl durch eine natürliche Form der Tierhaltung als auch einen geschlossenen Kreislauf der Futterherstellung und Düngung aus sowie eine hofnahe und schonende Schlachtung. Es gibt nur noch wenige kleine Schlachtbetriebe, die Schlachtungen für einzelne Tiere anbieten. Es nützt also nichts, nur den Bauern zu unterstützen, der Verbraucher muss auch die verarbeitenden Kleinbetriebe wie Landschlachtereien unterstützen. Großschlachtbetriebe nehmen meine zwei Schweine pro Monat gar nicht erst an.

Kleinbäuerliche Tierhaltung vs. Massentierhaltung

Wenn wir uns mit einer Tüte Chips und Schokolade vor den Fernseher setzen, setzen wir mehr an, als jemand, der regelmäßig Marathon läuft. Wenn man das auf Tiere überträgt, wird klar, dass Freiland-Hähnchen mehr Energie brauchen, um groß zu werden, als Hähnchen aus Stallhaltung. Vorteil dabei ist aber auch, durch die Mehrbewegung haben die Tiere mehr Muskelfleischanteil und schmecken dadurch ganz anders. Wenn das Tier mehr Auslauf hat, braucht es in der Regel länger, um Fleisch anzusetzen oder Eier zu legen. Mehr Zeit kostet mehr Geld.

– Dennis Wolff- von der Lieth

In eigener Sache – Warum bist Du ein PIELER und vermarktest Deine Waren online?

Durch die Vermarktung bei PIELERS bleibe ich unabhängig, profitiere aber von einem starken Netzwerk von verschiedensten Erzeugern, die nachhaltige Landwirtschaft so denken wie ich. Gemeinsam auf einer Plattform steigern wir unsere Sichtbarkeit im Internet. Wenn ich allein einen Online Shop betreiben würde, wäre das für mich finanziell sehr kostspielig und zeitaufwendig. Ich bin kein Technikexperte, sondern kenne mich mit Landwirtschaft aus. Ich finde es auch nicht verwerflich, dass PIELERS eine Provision für die Dienstleistung der Online Plattform zieht. Früher war es in den Dörfern üblich, dass sich alle Bauern Maschinen geteilt haben, die der Einzelne nur wenige Tage im Jahr brauchte. Das ist praktisch das gleiche Prinzip. Mehrere Erzeuger teilen sich die Technik einer Online Plattform und senken so ihre eigenen Kosten. Davon profitieren sowohl wir Direktvermarkter als auch unsere Kunden.

Dennis, wir danken Dir für die Einblicke in Deinen Alltag als Landwirt und die Aufklärungsarbeit, die Du damit leistest.

von Lea Zerbst
Übersicht