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Wie wir das Konzept „Bauernmarkt“ ins Internetzeitalter holen und warum es die „Lebensmittelwende“ einleitet.

PIELERS GmbH - Lesezeit ca. 5 Minuten

Die Aufnahme von Nahrung ist unser Grundbedürfnis, so essenziell wie einfach. Einfach machen wir es uns mit dem Essen auf unseren Tellern jedoch schon lange nicht mehr. Auf der einen Seite stehen Verbraucher, die wissen wollen, was genau drinsteckt. Gesund, nachhaltig und bequem soll es sein. Auf der anderen Seite versuchen die Lebensmittelverarbeiter ständig neue Fertigprodukte angepasst und durchgestylt an aktuelle Ernährungstrends auf den Markt zu bringen. Sie kaufen Zutaten ein, vermengen, optimieren, verbessern und verkaufen. Sie kreieren Marken und Geschichten rund um ihre Produkte. Woher die einzelnen Zutaten stammen und wie sie genau produziert wurden, geht gekonnt im Marketing-Dickicht unter. Welche Rolle spielt der Ursprung unseres Essens heute noch wirklich? Wo sind die Bauern geblieben, wo ihr Kontakt zum Verbraucher?

 

Der „durchschnittliche“ Landwirt ist dem Verbraucher fremd geworden

Stellen wir uns einen Junglandwirt aus Niedersachsen vor. Er arbeitet im elterlichen Familienbetrieb, der 600 Mastschweine und rund 50 Fußballfelder große Ackerflächen umfasst. Seine Eltern wollen in ein paar Jahren in Rente gehen und bereiten ihn auf die Hofübernahme vor.

Der junge Landwirt – nennen wir ihn Henning - hat es wirklich nicht leicht. Wie soll es in Zukunft weitergehen? Der Preis für Schweinefleisch unterliegt starken Marktschwankungen und ist unberechenbar. Henning weiß beim Einkauf seiner jungen Ferkel nie, was in einigen Monaten vom Schlachthof für das Fleisch gezahlt wird. Er weiß nicht einmal, was genau am Ende mit seinem Fleisch passiert. Für die Landmaschinen auf dem Hof laufen noch viele Jahre lang Kredite und er hat keine Planungssicherheit. Als Bindeglied in einer langen Lieferkette ist er von anderen abhängig und hat keinen direkten Vertriebsweg zum Endverbraucher.

Henning ist selbstständiger Unternehmer und doch nicht Herr in seinem eigenen Haus. Gleichzeitig liegt auf ihm die Last einer Familientradition, doch die Welt hat sich verändert. Schweinefleisch liegt nicht mehr im „Trend“. Es gilt als eher ungesund und wenig nachhaltig. Hennings Großvater schlachtete noch auf dem Hof und verkaufte geviertelte Schweine an Familien aus der Umgebung. Heute kaufen die Verbraucher ihr anonymes Filet abgepackt im Supermarkt dann, wenn sie es brauchen.

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Wandel erfordert immer Mut

Der Haussegen hängt des Öfteren schief, wenn es um die Zukunft des Hofes geht. Henning experimentiert mit neuen Ideen wie Freilandhaltung für die Schweine oder einer Umstellung auf ökologische Landwirtschaft. Er will eigene Wurstwaren produzieren. Auch möchte er den direkten Weg zum Kunden wiederfinden. Er will Schulgruppen zu Hofbesichtigungen einladen und den Menschen seine kleine Welt zeigen. Ein Ab-Hof-Verkauf wie damals bei Großvater wäre klasse. Dann können die Besucher gleich etwas mitnehmen. Und wenn sie erstmal sehen, wie gut es den Schweinen hier geht, kaufen sie auch wieder mehr Schweinefleisch.

Hennings Eltern sind wenig überzeugt von seinen Plänen. Der Großvater hatte den Hofverkauf damals nicht ohne Grund geschlossen. Immer weniger Dorfbewohner wollten auf Vorrat einkaufen und die Preise waren ihnen zu hoch. Henning meint, die Gesellschaft habe sich seitdem geändert und die Leute wollen wieder zurück zu den Ursprüngen. Trotzdem mahnen die Eltern, dass viel Arbeit auf ihn zukommen wird. Wie will er seinen Direktvertrieb bekannt machen? Wer fährt den weiten Weg in sein 300-Seelen-Dorf, um Fleisch abzuholen? Sind die Leute bereit, mehr zu bezahlen als im Supermarkt? Wie will er alle Probleme allein lösen?


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Gemeinschaften stärken und Lieferketten verkürzen

Werfen wir nochmal einen Blick in die Vergangenheit. Früher wurden Grundnahrungsmittel saisonal, regional und beim Ursprung gekauft - auf dem Dorfmarktplatz. Da jeder wusste, wann und wo der Markt stattfindet, mussten die einzelnen Marktbeschicker keine Werbung machen. Sie mussten aber sehr wohl ihre Produkte anpreisen und hervorheben, warum sie etwas besonderes sind- deshalb sprach man auch von Marktschreiern. Dieses Prinzip der gemeinsamen Vermarktung ist heute 1:1 auf einen Online-Marktplatz übertragbar. Der Marktplatzbetreiber hält alles zusammen und kümmert sich um die Organisation. Die Verkäufer auf dem Marktplatz bestimmen ihre Preise und ihr Angebot selbst und die Kunden erhalten die bestmögliche Transparenz über die Herkunft ihrer Produkte. Nun erweitere man dieses Konstrukt noch um Kurierdienste, nachhaltige Verpackungskonzepte und Online-Marketing – et voila! Der „digitale“ Bauernmarkt ist geboren.

Dieses und viele weitere neue Konzepte der digitalen Direktvermarktung macht die PIELERS GmbH aus Niedersachsen mit ihren Softwarelösungen unter dem Namen „agrica“ möglich. Vom digitalen Hofladen über den Online-Wochenmarkt bis hin zur regionalen Farm2Fork-Plattform stellt agrica die Infrastruktur zur Verfügung, die Landwirte und Marktbetreiber für den Wochenmarkt 4.0 brauchen. Daneben unterstützt sie mit Schulungen sowie einem starken Netzwerk aus innovativen Lebensmittelbetrieben und Vorreitern der Agrarwende. Bereits mehr als 1.000 Lebensmittelbetriebe aus ganz Deutschland haben sich dem 2018 gegründeten Startup bereits angeschlossen und vermarkten ihre Produkte vom Aal bis zur Zimtschnecke digital.

Mit Hilfe von agrica kann jeder Landwirt – wie zum Beispiel Henning - binnen weniger Minuten ohne technische Kenntnisse einen eigenen Online-Shop erstellen und sich bei einem oder mehreren der zehn bereits bestehenden Online-Marktplätze listen lassen. Dabei bestimmt er sein Angebot und die Reichweite seiner Lebensmittel selbst, ob lokal oder per Postversand bestellbar. Henning könnte sein Freiland-Schweinefleisch zukünftig in Fleischpaketen zum Versand anbieten. Durch Fotos von ihm, seinem Hof und eine transparente Beschreibung der Produkte können Verbraucher sich einen Eindruck vom Hof und seinen Tieren machen. Jeder Shop-Betreiber bei agrica versichert außerdem, dass sein Betrieb jederzeit besichtigt werden kann. 


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Henning ist online auf agrica gestoßen und hat das Gefühl, nun nicht mehr allein vor einem großen Stapel Aufgaben zu stehen. Über das Netzwerk erhält er vergünstigten Zugang zu umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien und bucht einen Wochenend-Kurs „Hofnachfolge meistern“ bei einer Partnerakademie im agrica Netzwerk. Dort wird er andere Landwirtinnen und Landwirte in seiner Situation kennenlernen und den Mut zum Wandel finden, den er braucht, um seinen Familienbetrieb in die nächste Generation zu führen.


Ein Blick auf die Branche zeigt, die Lebensmittelwende muss kommen

Die Landwirtschaft in Deutschland krankt seit vielen Jahren. Ihr Image hat sich durch etliche Lebensmittelskandale verschlechtert, Geld verdienen wird schwieriger und in dieser Folge wurde ein besorgniserregender Trend auf die Spitze getrieben „Wachse oder weiche.“ Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging in den letzten 25 Jahren um 40% zurück. Die verbleibenden Betriebe haben sich stark vergrößert oder spezialisiert. Der kleine familiengeführte Bauernhof in Generationsnachfolge überlebt nur noch in der „Nische“ als Bio-Betrieb oder durch hohe Subventionen. Im Kontrast dazu werden genau diese kleinstrukturierten Höfe mit überschaubarem Ackerland und Viehzucht vom Verbraucher gewünscht und als Vorreiter für umweltverträgliche Lebensmittelherstellung gesehen. Mehr Realismus durch Aufklärung sollte hier die Devise sein, um den Graben zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern wieder zu verkleinern. Dazu braucht es dringend mehr Innovationskraft durch Digitalisierung der Wertschöpfungskette – Das heißt: weniger Zwischenhandel, mehr Transparenz, mehr Marktmacht für Erzeuger und Verbraucher. Dafür steht agrica – das Lebensmittelnetzwerk.


Weitere Informationen finden Sie als Erzeuger unter www.agrica.tech oder als Verbraucher auf www.pielers.de

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